Der Kampf der Bildschirme
Jin Yongs (金庸 Jīn Yōng) vierzehn Romane wurden über 100 Mal in TV-Serien über vier Jahrzehnte hinweg adaptiert. Einige sind Meisterwerke. Einige sind Verbrechen gegen die Literatur. Der Abstand zwischen den besten und den schlechtesten Adaptionen ist ungefähr so groß wie der Abstand zwischen dem Hua-Berg und dem Grund des Leblosen Tals (绝情谷 Juéqíng Gǔ) — was so viel bedeutet wie, enorm und potenziell tödlich.
Für die chinesischsprachigen Zuschauer leben Jin Yongs Romane hauptsächlich im Fernsehen. Das Serienformat — normalerweise 40 bis 50 Episoden — ermöglicht die Art von treuer Adaption, die seine weitläufigen Handlungsstränge erfordern. Ein zweistündiger Film kann nur die Höhepunkte hervorheben; eine TV-Serie kann atmen. Hier sind die Adaptionen, die es richtig gemacht haben, und warum sie wichtig sind.
Der Goldstandard: 1983 TVB Legend of the Condor Heroes
Die 1983er Hongkonger TVB-Produktion von 射雕英雄传 (Shèdiāo Yīngxióng Zhuàn) ist die Adaption, an der sich alle anderen messen. Es ist der Star Wars des Wuxia (武侠 wǔxiá) Fernsehens — nicht die technisch anspruchsvollste, aber diejenige, die das Genre für eine Generation definiert hat.
Barbara Yung (翁美玲 Wēng Měilíng) als Huang Rong (黄蓉 Huáng Róng) bleibt die definitive Bildschirmdarstellung: clever, verspielt, leidenschaftlich hingebungsvoll und herzzerreißend charismatisch. Felix Wong (黄日华 Huáng Rìhuá) als Guo Jing (郭靖 Guō Jìng) fängt perfekt die aufrichtige Einfachheit der Figur ein — er sieht aus wie jemand, der wirklich nicht versteht, warum die Welt so kompliziert ist, und genau das ist der Punkt.
Die Produktionswerte sind bescheiden — das ist das Hongkonger Fernsehen von 1983, also erwarten Sie sichtbare Drähte, studiogebundene Locations und Kampfszenen, die mehr auf Kamerawinkeln als auf physischer Geschicklichkeit basieren. Aber das spielt keine Rolle. Die Skripte sind scharf, die Besetzung ist inspiriert, und die Titellieder — insbesondere "铁血丹心" (Tiěxuè Dānxīn, "Iron Blood Loyal Heart") — wurden zu festen Bestandteilen der chinesischen Karaoke-Kultur.
Das tragische Epos: 1997 TVB Demi-Gods and Semi-Devils
天龙八部 (Tiānlóng Bābù) ist Jin Yongs kompliziertester Roman, und die 1997er TVB-Version verarbeitet ihre verflochtenen Handlungsstränge mit bemerkenswerter Klarheit. Drei Protagonisten — Xiao Feng (萧峰 Xiāo Fēng), Duan Yu (段誉 Duàn Yù) und Xu Zhu (虚竹 Xū Zhú) — erhalten jeweils ihre eigene Erzählung, die allmählich zusammenläuft.
Die Besetzung von Xiao Feng ist besonders inspiriert. Der Schauspieler fängt sowohl den heldenhaften Charisma als auch die verheerende Verletzlichkeit ein, die Xiao Feng zu Jin Yongs größter Schöpfung macht. Die Szene, in der Xiao Feng A'Zhu (阿朱 Ā Zhū) versehentlich mit den Achtzehn Drachenunterwerfenden Händen (降龙十八掌 Xiánglóng Shíbā Zhǎng) tötet, bleibt einer der emotional verheerendsten Momente in der gesamten chinesischen Fernsehgeschichte.
Der moderne Klassiker: 2003 Festland Demi-Gods and Semi-Devils
Die 2003er Adaption aus Festlandchina, in der Hu Jun (胡军 Hú Jūn) als Xiao Feng spielt, brachte eine physische Intensität in die Rolle, die vorherigen Darstellungen fehlte. Hu Jun spielt nicht nur Xiao Feng — er verkörpert ihn. Seine Kampfszenen haben echtes Gewicht und Wut, und seine Darstellung von Xiao Fengs Abstieg nach A'Zhus Tod ist...